Motorradtour 2003 - Rudi (Solofahrt)

Österreich / Schweiz / Frankreich - 5404 km

Datum

Tour Beschreibung Highlights
2. Mai 03
1. Tag

Freitag


680 km

Abfahrt Wiener Neustadt (9:40) - Autobahn A2 bis Baden - Helenental - A1 nach Salzburg - "Großes Deutsches Eck" - ein Holzstück trifft mich am rechten Fuss (bei 180 km/h) - es zerberstet - kurzer Check - alles ok - Autobahn bis Innsbruck (4:15 Stunden - Rekord ;-)
Abfahrt von der Autobahn nach Axams über den Kühtaisattel (2017m - 18%) - sehr viel Schnee - kurze Bedenken, ob der 2. Mai nicht doch etwas zu früh ist ;-)
Es wird sehr kalt - Regen setzt ein - Regendress - trotzdem kalt, aber ok!
Von Wenns gehts über ´nen kleinen Pass nach Prutz - über den Pillertalsattel (1559m, 12%) nach Pfunds - plötzlich rennt ca. 40 Meter vor mir ein Reh auf die Fahrbahn und bleibt stehen - fixiert mich - schreckt sich - versucht wegzulaufen - rutscht aus, schafft es dann doch sich wegzurobben *gg*
Weiter gehts durch Nauders über die Grenze - keine Kontrollen!
1. Pause mit Red Bull und Balisto - weiter Richtung St. Moritz - Quartiersuche in Levin (18:00 Uhr).

Quartiersuche gestaltet sich ein bisschen schwierig, da zwar alle Häuser sperrangelweit offen stehen, aber keine Leute zu finden sind. Nach ca. 1 Stunde habe ich eine
Jugendherberge gefunden um ca. € 10,- habe 3 Stöcke mit unzähligen Zimmern und noch mehr Betten für mich alleine - nix los hier - Zwischensaison!

Nun habe ich ein Schnitzel unbedingt notwendig - beginne schon zu zittern!
So, wieder alles ok!
Kurze Rast - danach ins Hotel, um mir noch ein Bier zu genehmigen und das Tagebuch/Routenbeschreibung zu beginnen.
Studieren der Karte für Tag 2.

Anm: Die Schweizer sind extrem freundlich (gut ich bin in einem 100 Mann-"Kaff" gelandet) jeder grüsst, jeder bemüht sich mir zu helfen bei der Quartiersuche.
Lerne nun den Chef des Hotels kennen - erklärt mir einiges über die Schweiz bzw. geschlossene Pässe ;-(
Infomaterial über Gebiet u. Routenvorschläge - toll.

Piller

Piller


3. Mai 03
2. Tag


580 km

Abfahrt Levin ca. 9:15.
Es ist wieder sehr kalt - Start mit Pullover, Lederkombi & Regendress - es regnet. Fahrt Richtung St. Moritz - in St. Moritz wirds auf einmal schön - Wolken reissen auf - es wird auch höchste Zeit, da bei einer Rast mir die Finger ganz ordentlich annageln, als würden sie gleich abfallen...
Fahrt über Julierpass (2284m, 10%) bei rauchenden Strassen zwischen 3-4 Meter hohen Schneewächten. Bei Tankstelle erfahre ich, dass es gestern noch geschneit hat - sie meint ich hätte Glück - und ich dachte ich hätte Pech ;-))
Bis jetzt habe ich so ziemlich alles erlebt was so auf einen Motorradfahrer auf der Strasse zukommen kann: Split, Steine, Öl, Wasser,... - aber Schnee war ein völlig neues Gefühl - irgendwie eine Kombination aus allem oben genannten - oag!
Weiter gehts über Tiefencastel nach Chur. Kette scheppert als gebe es kein Morgen - Kontrolle: unterschiedlich ausgedehnt - Kettensatz muss erneuert werden - aber nicht am Samstag Mittag - auch nicht in der Schweiz! Weiter gehts Richtung Films - Laax - Disentis/Muster - Höllental-Feeling den ganzen Tag!
Wunderschönes Panorama über den Oberalppass (2044m, 10%) nach Andermatt - es wird wärmer, doch auf über 2000 Meter fröstelt es doch noch ordentlich!
Furkapass & Sustenpass sind noch gesperrt :-( Umfahrung über Autobahn - in der Schweiz glitzert die Autobahn - ist etwas gewöhnungsbedürftig, danach nett zum Anschaun. Nun gehts Richtung Luzern - ganz kräftig verfahren - macht nix - das Autobahn-Glitzern entschädigt ;-)
Retour Richtung Interlaken! Abstecher nach Wengen/Grindelwald zu den 3 Giganten Eiger / Mönch / Jungfrau (4158m) - Die Eiger-Nordwand sieht verdammt eindrucksvoll aus.
Übrigens: Strassen sind in schlechterem Zustand als in Südtirol oder Österreich! Tempolimit 80 auf Freilandstrassen die einem ständig ans Höllental erinnern - stören nicht wirklich. Schweizer sind sehr brave Fahrer - habe mich an einige einheimische Biker angehängt - sie fahren max. 90-95, das aber überall, und sei sie noch so eng die Kurve ;-)
Zurück nach Interlaken Richtung Bern - Abfahrt bei Spiez (Adelboden) Richtung Bulle - Quartiersuche in Reidenbach - nettes Quartier gefunden um ca. € 30 incl. Frühstück.
Kette macht mir Sorgen - Weiterfahrt nach Frankreich oder Suche nach Ersatzteilen in der deutschsprechenden Schweiz?!? Ein paar Bier werden entscheiden.
Nach dem Abendessen lerne ich ein Schweizer Biker Pärchen kennen (Hans u. Heidi)- FJ1300. Ein netter und langer Abend beginnt. Wir sprechen über die Schweiz und die Welt, sehr amüsant!
Hans hat sogar einen Werkstätten-Plan für Yamaha Werkstätten in der Schweiz mit - ideal - und somit entscheide ich mich eine weitere Tour durch die CH-Berge zu unternehmen (da morgen Sonntag ist) um mein Bike in der Nähe von Bern reparieren zu lassen.

St. Moritz

Julierpass

Julierpass

Oberalppass

Eiger/Mönch/Jungfrau

Eiger Nordwand

4. Mai 03
3. Tag


360 km

Los gehts um 10:15 (wird eine eher entspannte Tour) über den Jaunpass - wunderschön - das Wetter spielt nun auch mit und es ist sogar angenehm warm. Weiter geht es Richtung italienische Schweiz, und es ändert sich fast alles um 180°. Das Klima hat nun ca. 30°, Leute werden unfreundlicher, Strassen sind öde und eintönig gerade - man spricht nicht mehr deutsch...
Château-d`Oex - Col de Mosses Pass (1445m) - Col du Pillon (1546m) - Mittagspause bei der Gletscherbahn - Monthey - Sion - Sierre (ewig lange Gerade, meist 70km/h Beschränkung - Visp - nun biege ich ab Richtung Zermatt zum Matterhorn, das bekommt man zwar nicht zum Sehen, da müsste man mit der Zahnradbahn den Berg raufklettern! Kurze Rast - dann gehts zurück nach Visp!
Jetzt entscheide ich mich, das sehr gut ausgebaute Zug-Verladesystem auszuprobieren - spart ca. 2-3 Stunden Fahrtzeit. Rauf auf den Waggon 16 SFR berappen, festzurren, los gehts - ca. 20 Minuten durch den Berg von Groppenstein nach Kandersteg - wo keine Strasse existiert!
Eigentlich toll ;-) So jetzt muss ich noch Richtung Bern, um der auserwählten Werkstätte möglichst nahe zu sein! Quartiersuche ca. 10km vor Bern - alles sauteuer. 50 SFR (ca. € 35,-) sind normal u. was billigeres ist nicht zu finden!

Jetzt habe ich gerade ´ne Pizza verspeist - trinke noch ein Bier, mal schaun was der morgige Tag so bringt.

Col de Mosses

Zermatt / Matterhorn
5. Mai 03
4. Tag




603 km

Dieser Tag verspricht nicht sehr viele Höhepunkte, da ich zuerst mal so schnell wie möglich zum Yamaha-General-Importeur Hofstetter nach Sursee fahren muss, um mein stark angeschlagenes Bike reparieren zu lassen! Dies verläuft ohne Probleme, und ab 13:30 h gehts nun wieder auf die Autobahn - ich möchte so schnell wie möglich Richtung Meer nach Frankreich! Sursee - Bern - Basel - Grenze - Mulhouse - Belfort - Besancon - Dijon - In Auxerre fahre ich ab, da es im Norden nach Regenwetter aussieht - Quartiersuche.
War wieder mal ein sehr anstrengender Tag - Reisegeschwindigkeit von 180 km/h über mehrere Stunden, nur das Tanken zwingt zu einer Pause!
Le Mans - Tribüne

6. Mai 03
5. Tag


745 km

Weiter gehts Richtung Paris - bei schlechtem Wetter - bewölkt und bei max 14°C. Nach ca. 80 km lege ich die Regenkombi an - es beginnt Abschnittsweise zu regnen. Keine Änderung der Situation bis kurz vor Le Mans. In Le Mans kein Regen - aber kalt. Ich fahre auf den Bugatti-Ring (24 Stunden-Rennen Motorrad) und werde nach wenigen Metern von einem Security verwiesen ;-) Tolles Gefühl auf der berühmtesten Rennstrecke der Welt zu fahren! Jetzt fahre ich noch den für Zuschauer freigegebenen Bereich ab!
Das bekannte Automobilmuseum - gleich neben der Rennstrecke - nutze ich für eine Aufwärmphase!
Danach fahre ich noch den - abseits der 24 Stunden für den Verkehr freigegebenen Rennstreckenteil (Auto) - ab.
Gebe kurz mal Gas - 238 km/h wo die Tourenwagen über 340 km/h erreichen - cool.
Weiter gehts nun Richtung Angeres, dann nach Cholet - La Roche s Yon - Les Sables d´Olonne - immer Richtung Meer! Je näher ich dem Meer komme - desto schöner und wärmer wird es...
Endlich angekommen am Ziel - dem Atlantischen Ozean - nach ca. 2800 km am Bock.
Erhalte ein günstiges Quartier in Brétignolles sur-mer direkt am Meer. Der Anblick eines traumhaften Sonnenuntergangs entschädigt ein wenig für die Strapazen!
Den heutigen Tag werde ich mit ein paar Bier mehr feiern...

Brétignolles sur-mer
7. Mai 03
6. Tag



0 km

Nun werde ich mir ein paar Tage am Meer zur Erholung gönnen - es steht keine Reise an.
Berühre das Motorrad nur um den KM Stand abzulesen: 23653 - 2975 gefahrene KM).
Heute habe ich mich mal ordentlich ausgeschlafen und werde nun Brétignolles sur-mer zu Fuss ab, um nach Lebensmittel Ausschau zu halten. Eigentlich hackelt hier keiner etwas, selten, dass ein Geschäft wenigstens für ein paar Stunden am Tag geöffnet hat - wobei ich die Öffnungszeiten regelmässig versäume ;-))

Daher entschliesse ich mich jetzt wo die Sonne ordentlich durchkommt und der Wind sich gelegt hat ein nettes Plätzchen am Meer zu suchen und ein paar Stunden zu entspannen und Energie zu tanken - habe ich auch bitter nötig, da ich gesundheitlich etwas angeschlagen bin (durch die lange Fahrt bei eisiger Kälte habe ich mir einen Schnupfen eingefangen).
Es wird richtig heiss und ich habe sogar einen Sonnenbrand davongetragen!
Gegen Mittag ruft mich plötzlich ein guter Freund von Paris - aus alten Firmenbekanntschaften zurück und lädt mich ein, nach Versailles zu kommen - kann ich natürlich nicht abschlagen und werde am Freitag - morgen Donnerstag werde ich mir noch die Küste mit dem Bike anschauen - zurück nach Paris fahren. Freu mich schon darauf! Werde bald schlafen gehen.

 
8. Mai 03
7. Tag


89 km
Gesundheit ist noch immer angeschlagen - die lange Fahrt bei kalten Temperaturen und Regen fordern Tribut.
Gegen Mittag ist das Wetter perfekt - ich gehe auf den Strand um ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen. Am frühen Nachmittag schwinge ich mich auf mein Bike, um ein paar berüchtigte Strände zu sehen - doch das Wetter spielt nicht mit - nach wenigen Metern wieder Nieseln und Kälte - macht nix - weiter gehts. Besuche St. Gilles Croix de Vie und Les Sables d´Olonne! Jetzt begebe ich mich auf Suche nach Öl - 3000 km und es fehlen ca 1/2 Liter, das ist ok. Der französische Feiertag macht die Sache nicht unbedingt einfach. Doch ich bin erfolgreich.
Am Abend hole ich mir einen Kebap. Die Leute erkennen mich wieder, sei es von div. Bedienungen oder Übersetzungshilfen (das "Kaff" in dem ich abgestiegen bin ist echt sehr klein - sie reden mich an, unterhalten sich in gebrochenem Deutsch/Französisch und laden mich auf ein paar Bier ein - ich glaube ich muss meine Meinung gegenüber Franzosen ändern. Ein netter Abend. Nun trinke ich Heineken aus einer Alu-Flasche, habe ich auch noch nie gesehen, obwohl ich schon in der ganzen Welt Heineken vernichtet habe, interessant ;-)

Morgen gehts nach Paris - hoffentlich ist es ein bisschen wärmer!
Les Sables d´Olonne

Les Sables d´Olonne
9. Mai 03
8. Tag


705 km

Heute heisst es "Abschied nehmen" vom Meer und zurück nach Paris - wo mich David bereits erwartet. Ich nehme wieder den schnellsten Weg über die Autobahn - der Drehzahlmesser gibt den Geist auf, er mag nicht mehr.
Brétigniolles sur-mer - Cholet - Angers - vorbei an Le Mans - Paris Zentrum - ordentlich verfahren ;-) Zurück zum Schloss Versailles. Ich werde sehr nett empfangen - von David, Van, ´ner Katze und 2 total süssen Hunden!
Wir gehen Pizza essen und danach ins eigene Pool-Billard Lokal in einem Vorort von Paris. Es wird wieder ein amüsanter und langer Abend - mich plagt die Müdigkeit!
 
10. Mai 03
9. Tag




747 km

Heute geht es über die längste Strecke der Tour zurück in die Schweiz nach Zürich zu dem netten Biker-Pärchen, das ich in den Schweizer-Bergen kennengelernt habe!
Toll, das Wetter spielt mit, somit fallen die hunderte KM Autobahn nicht ganz so schlimm ins Gewicht - es wird wärmer - super!
Es geht zügig voran, und bald bin ich auf der Schweizer Autobahn (sie glitzert noch immer ;-) Basel - Zürich - hier gehts nun wieder etwas gemütlicher zur Sache - 120 km/h.
Ich werde schon am Strassenrand von dem netten Biker-Pärchen erwartet - ein sehr gemütlicher Abend mit tollem Essen steht bevor - eine spitzen Sache!!!

 
11. Mai 03
10. Tag

Muttertag


538 km

Nach reichlichem Frühstück gehts in Begleitung von Heidi & Hans mit deren Yamaha FJ-1300 Richtung St. Gallen.- Abfahrt Will - Wattwill - bei Neu St. Johann biegen wir ab auf den 1. Pass des Tages, den Säntis - und den 1. Pass nach tausenden Autobahn KM - gutes Gefühl *gg*
Auf der Passhöhe - beim Berg Säntis - machen wir nochmals Rast, da sich ab hier unsere Wege trennen.
Verabschiedung und nun gehts wieder alleine weiter - Appenzell - Gais - Altstätten - Oberriet - über die Grenze - ich bin wieder in Österreich - ein super Gefühl.
Weiter gehts auf der Bundesstrasse nach Bludenz - Richtung Silvretta Hochalpenstrasse - aber nur für kurze Zeit - leider gesperrt - zurück gehts über den Arlberg Pass (1793m, 13%) - saukalt - Schnee!
Auf der Autobahn fahre ich nach Imst - Wetter unbeständig - es regnet ab und zu - Innsbruck - Abfahrt Achensee / Zillertal - Richtung Zell am Ziller. Nun biege ich ab auf den Gerlospass (1507m). Enge Strassen - kein Verkehr - ich gebe nochmals ordentlich Gas ;-)
Die Abfahrt gestaltet sich als äusserst abenteuerlich, da die Strasse in extrem schlechten Zustand ist und oftmals nur eine Spur vorweist. Es wird wärmer und ich fahre nun seit ca. 3000 km (!!!) das 1. mal ohne Pullover *g*.
Mittersill - Zell am See - Saalfelden! In Maria-Alm beziehe ich Quartier - man merkt, dass ich wieder in Autriche bin - € 18,-. Jeder Tag wird nun mühsamer - bin schon total erledigt - 10 Tage biken - 5000 km sind für Körper, Geist und Seele ein Grenzgang. Ich freue mich auf Morgen, im eigenen Bett schlafen - Ruhe!!!

Säntis

12. Mai 03
11. Tag

Montag


439 km

Zeitig In der Früh gehts auf den Dientner Sattel (1342m, 18%) - super Strasse, tolle Kurven - DAS FEELING für Biker. In Mühlbach biege ich zum berüchtigten Arthurhaus am Hochkönig ab.
Weiter gehts über Bischofshofen nach Hüttau wo ich mir ein ordentliches Frühstück genehmige. Gestärkt gehts weiter nach Eben - Filzmoos - Ramsau - Schladming - Gröbming - Niederöblarn (Woitl ist leider grad nicht daheim) - Liezen - Admont - Gesäuse - Hieflau - Wildalpen - St. Aegyd - Kalte Kuchl - Höllental - Reichenau - Gloggnitz - plötzlich beginnt es wie verrückt zu Schütten - schnell das Regengewand heraus und weiter gehts bei strömenden Regen nach Wiener Neustadt.

Geschafft. Wieder Zuhause - ein gutes Gefühl...

Arthur-Haus
Fazit Gesamt: 5404 km
Ich muss sagen es war eine sehr anstrengende Tour - wobei man klar anmerken muss, dass das Wetter nicht ideal war - hatte einfach Pech (im Mai ist es noch zu unbeständig) - In Wr. Neustadt hatten wir in diesen 10 Tagen angeblich an die 30°C!

Über 5400 km auf meiner Yamaha YZF R1 - jetzt soll nochmals jemand sagen, dass ein Supersportler kein Tourenmotorrad sein kann - man braucht zwar einen Hals wie ein Stier (den ich jetzt sicher bekommen habe), ich würde aber mit keinem anderen Bike tauschen wollen...